Der Krausismo : von Deutschland in die spanischsprachige Welt

Der Fall von Rio de la Plata

von Jonathan Arriola

Abstrakt

In diesem Text beschäftige ich mit dem Einfluss vom deutschen Philosophen Karl Friederich Krause in der ganzen spanischsprachigen Welt. Die idealistische Philosophie, die Krause entwickelte, abzielte, kurz gesagt, die Probleme des aufgeklärten Gedanken des 18. Jahrhunderts aufzuheben. Im Gefolge der Französischen Revolution, Krause glaubte, dass die Philosophie der Aufklärung nur eine „negative“ Philosophie (und deshalb „destruktiv“) war. Im Gegensatz dazu schlägt Krause eine Philosophie vor, wo das Konzept der „Harmonie“ eine zentrale Bedeutung haben wird. Diese „Harmonie“ hat sowohl einen ontologischen (die ganze Welt ist eine „organische Entität“) als auch einen sozialen (die Verteidigung von Freiheit aber auch von Gleichheit ist notwendig, um die soziale und politische Ordnung zu erhalten) Sinn. Da Krauses Perspektive eigentlich den Traditionalismus der alten Ordnung (l‘ancien Régime) mit dem aufgeklärten Liberalismus versöhnen wollte, diese Philosophie stellte sich in der Tat dar, als einen „Mittelpunkt“ in den Weg zu Reformismus zu sein. Obwohl fast unbekannt in Deutschland, wird Krause aber im Spanien einen enormen Einfluss haben. Um konkreter zu sein, wird Krauses Gedankens eine sehr starke Präsenz in der Ausbildung einer Generation von liberalen Intellektuellen, welche den Weg für die republikanische Revolution 1868 bereiteten würde. Von Spanien aus hat die Philosophie Krauses den Atlantik gekreuzt, nach Lateinamerika, wo sie wichtigen Literaten, Philosophen und Politiker (unter ihnen, José Enrique Rodó, José Martí, Afonso Reyes, etc.) inspirieren würde. Vielleicht die repräsentativsten Fälle davon sind Hipólito Yrigoyen und José Batlle y Ordóñez, zweimal Präsidenten ihrer betreffenden Ländern (Argentinien und Uruguay). Die beiden Politiker vom Rio de la Plata hatten eng Kontakt mit der Philosophie Krause, von der sie verschiedene Ideen annahmen, ihre Gesellschaften in die Richtung eine Sozialdemokratie zu modernisieren. Obwohl der Krausismo in den beiden Ländern eine besondere Form nahm, sowohl die Ideologie von der Partido Radical (Yrigoyens Partei) als auch diejenige von der Partido Colorado (Batlles Partei) die Mischung aus Liberalismus, Nationalismus, Föderalismus und Egalitarismus teilten, die als wichtigste Ursprung Krauses Philosophie hatte. Während in Spanien Krauses Philosophie eine Alternative für die Scholastik war, präsentierte sich der Krausismo im Rio de la Plata (aber eigentlich in ganz Lateinamerika) als eine Alternative für den konservativen und autoritären Positivismus.

Einführung in die Philosophie Krauses


Image result for krausismo Friedrich Krause war ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1781 in Eisenberg geboren und nach einem - hauptsächlich durch finanzielle Probleme verursachten - harten Leben, starb er 1832 in München. Zum Studium ging er nach Jena, dem damaligen Zentrum des Kantianismus und der frühen Romantik. Dort studierte der junge Krause als Hauptfächer Theologie, Mathematik und Philosophie bei Fichte, Schlegel und Schelling. 1801 promovierte er in Philosophie mit einem Text über den Philosophischen Beweis und 1802 habilitierte er sich (Chmielorz: 2010, 1). Für viele Jahre hielt Krause Vorlesungen als Privatdozent, mit der Hoffnung, in der Zukunft einen Lehrstuhl zu erlangen. Als Fichte 1814 starb, glaubte Krause, dass er seinen Lehrstuhl erben könnte, was schließlich jedoch nicht geschah. Noch schlimmer, Krause würde niemals eine solche Position erhalten. Zweifellos war dies die größte Frustration für seine philosophische Karriere und einer der wichtigsten Gründe, weshalb er im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Philosophen der Epoche (zum Beispiel Fichte, Schelling, Hegel und Feuerbach) in Deutschland überhaupt nicht bekannt sein wird.
  1. Die philosophischen Wurzeln Krauses Denkens
Die wichtigsten Werke Krauses sind Grundlage des Naturrechts (1803), Entwurf des Systems der Philosophie (1804), Das Urbild der Menschheit, ein Versuch (1811) und sein Hauptwerk sind die Vorlesungen über das System der Philosophie (1828). Was den philosophischen Inhalt seines Werkes betrifft, könnte man sagen, dass sie eklektisch sind, da sich in Krauses Gedanken ganz verschiedene Strömungen vermischen. Neben dem kantischen Kritizismus und der idealistischen Philosophie lässt sich auch der Einfluss von „Klassikern“ wie Plato, Cicero, Spinoza und Leibniz identifizieren.1
Aber wenn man die Philosophie Krauses mit nur wenigen Wörtern bezeichnen sollte, dann würde es zutreffen, sie im Großen und Ganzen als „halb-aufgeklärt“, „halb-romantisch“ zu charakterisieren. Die ganze philosophische Anstrengung Krauses geht tatsächlich in die Richtung, die Vernunft der Aufklärung mit dem neuen und zunehmend romantischeren Geist seiner Zeit zu vereinigen. Das heißt, um genauer zu sein, dass Krause weithin die klassischen Themen, Sorgen und Konzepte der Aufklärung, wie jene der „Vernunft“, des „Fortschritt“ und der „Säkularisierung“ in eine proto-romantische und zeitweise mystische Sprache umformulieren wird.
In diesem Sinne muss man darauf hinweisen, dass der Herzog von Eisenberg, Krauses Geburtsorts, ein großer Unterstützer der Aufklärung war, der zum Beispiel die Nordamerikanische und Französische Revolutionen tief bewunderte. Deshalb ermutigte er in seinem Herzogtum eine weite Presse und intellektuelle Freiheit, von denen natürlich Krause sehr profitierte. Es war auch die Zeit des kantischen Kritizismus, der danach strebte, als Lösung für verschiedene theoretische Probleme der Aufklärung zu dienen und der einen bleibenden Eindruck in Krauses Gedanken hinterlassen würde. In der Tat betrachtete Krause sich selbst zwar in verschiedenem Sinne als ein Nachfolger Kants, wollte jedoch mit den Auffassungen seiner zeitgenössischen Philosophen (Fichte, Schelling und Hegel) brechen. In gleicher Weise wurde Krause in höchstem Maße (vornehmlich was ihre Ideale der Bruderschaft der Menschheit, des Universalismus und der fundamentalen Rolle der Erziehung angeht) von den Freimaurern beeinflusst, die auch aufgeklärte Wuzerln hatten und die einen großen Teil seines Werkes inspirieren würden.
  1. Krauses Kritik an die Aufklärung und die Suche nach der „Harmonie“
Trotz dieser Affinität mit dem aufgeklärten Denken behielt Krause gleichzeitig eine problematische Beziehung hinsichtlich der Aufklärung. Obwohl er tief an die Vernunft und die wissenschaftliche Methode glaubte, war er auch kritisch gegenüber der Art von aufgeklärter Rationalität des 18. Jahrhunderts (Stoetzer: 1998, 12). Insbesondere argumentierte Krause, dass diese nur „negativ“ und „destruktiv“ sei.2 Dem aufgeklärten Konzept der Vernunft setzte Krause sein eigenes entgegen, mit dem er darauf abzielte, ihre anarchische Tendenz zu reduzieren. Der Philosoph nannte diesen neuen Begriff „harmonischen Rationalismus“, der einen Kompromiss zwischen der neuen modernen Welt und der älteren erlaubt würde. „Harmonie“ ist genau das Wort, mit dem man die ganze Philosophie Krauses am besten definieren kann dermaßen, dass er nicht nur die Metaphysik, sondern die Gesellschaft selbst von diesem philosophischen Konzept aus aufbauen wollte. Zwischen dem Ganzen und dem Teil, der Immanenz und der Transzendenz, dem Individuum und der Gesellschaft gibt es immer ein Gleichgewicht, das der Philosoph laut Krause explizieren sollte. Die ganze Welt wurde ihm zufolge als eine harmonische, systematische, organisch gestaltete Wirklichkeit entworfen.
In der Theologie Krauses manifestiert dieser „harmonische Rationalismus“ sich im originellen Begriff des „Panen-theismus“, der er in seinem Hauptwerk Das Urbild der Menschheit prägte. Wie der Name selbst sagt, ist der Panentheismus eigentlich die Lehre, die eine Synthese zwischen dem entgegensetzenden Pantheismus und Theismus/Deismus zu erreichen sucht (Stoetzer: 1998, 13). In diesem Sinne ist es deutlich, dass Krauses philosophische Methodologie, wie diejenige Hegels, „dialektisch“ ist. Es geht darum, die beiden Teile nicht nur entgegenzustellen sondern auch aufzuheben.
Philosophisch betrachtet, bedeutet dieser dialektische Panen-Theismus, Gott ist bezüglich der Welt beides: immanent, wie bei Spinoza und anderen Rationalisten, aber gleichzeitig transzendent, wie bei den Deisten und den christlichen Theologen. Der Geist und die Natur existieren aber noch nicht wie bei dem Dualismus, der sie als zwei völlig getrennte Substanzen konzipierte. Laut Krause sind sie in Gott endlich vereint. Alles ist in Gott und alle Wesen sind nur in ihm und durch ihn. Zum anderen und da die Göttlichkeit eine Einheit ist, müssen alle Teile des Universums eng miteinander verbunden sein. Hier spielt wieder das Konzept der „Harmonie“ eine fundamentale Rolle, welches die metaphysischen Grundlagen schafft, die (wie wir im Folgenden sehen werden) nicht nur eine Philosophie der Geschichte zu rechtfertigen erlauben würden, sondern auch eine Ethik und Politik.
  1. Krauses Philosophie der Geschichte und das Ethische Ideal
Laut Krause ist die Geschichte ein Prozess, in welchem sich die Menschheit mit Gott trifft, der auch die Idee des Gutes repräsentiert. Wie bei anderen Philosophen der Aufklärung gibt es in Krauses Philosophie drei geschichtliche Etappen.3 Der Durchgang von einer Etappe zur anderen ist progressiv und kumulativ und zu ihnen tragen außergewöhnliche Persönlichkeiten bei. Am Ende der Geschichte werden sich die Natur, der Geist und die Menschheit in einer allumfassenden Einheit vereinigen, wo die Harmonie und eine universale Gesellschaft herrschen werden. Der Fortschritt besteht genau darin, diese Entwicklung zu verwirklichen (Stoetzer: 1998, 34).
Was die ethische Philosophie Krauses betritt, so könnte gesagt werden, dass auch wie im Fall seiner Philosophie der Geschichte, eine „dialektische“ Struktur erkennbar ist (Stoetzer: 1998, 28). Seine Ethik umfasst tatsächlich zwei Elemente (ein Objektives und ein anderes Subjektives), die jedoch in einem dritten aufgehoben sind. Das erste ist mit der Idee des objektiv Guten verbunden und das zweite mit dem der subjektiven Freiheit. Laut Krause existiert einerseits ein objektiv Gutes, das sich aus der Realität Gottes folgert.
Dieses „objektiv Gute“ wird eigentlich dann verwirklicht, wenn das Individuum nach den universellen Regeln der Justiz die Verpflichtungen zu dem Gemeinwohl erfüllt. Krause zufolge ist das Individuum aus zwei Drängen zusammengesetzt.
Ein sozialer Drang, der den Menschen dazu führt, altruistisch zu sein sowie ein egoistischer, der ihn dazu führt, sein eigenes Gut blindlings zu verfolgen. Eine Gemeinschaft, in der nur das objektive Gut wertvoll ist, ist unethisch und autoritär, da es in einer solchen Gemeinschaft keine individuelle Freiheit gäbe.4 Beide sind Krause zufolge notwendig, um eine rechte Gesellschaft zu begründen, aber es ist jedenfalls wichtig, dass diese Dränge erzogen werden. Und genau hier wird das Programm Krauses zu einer Pädagogik und man kann den Einfluss der Freimaurerei am deutlichsten sehen. Das Individuum hat einen ursprünglichen Drang nach der Suche, sich zu vervollkommnen. Aber man muss nicht diesem Drang zuwider handeln, sondern vielmehr versuchen, ihn für das Gemeinwohl zu verwenden, eine Aufgabe die laut Krause nur eine geeignete Erziehung durchführen könnte. Die eigene Individualität soll nicht supprimiert werden: sie soll mit der objektiven Struktur der Gemeinschaft im Harmonie stehen. Dieser Punkt führt uns zu der politischen und juridischen Theorie Krauses.
  1. Krauses politische und juridische Theorie
Wie bei anderen Autoren derselben Epoche entwickelt sich Krauses Denken im Rahmen der Naturrecht-Tradition. Deswegen glaubte er, gegen den Positivismus, dass die Gültigkeit und Normativität eines Gesetzes oder eines Gesetzsystems aus der Geschichte nicht deduziert werden kann. Der richtige Ursprung des Gesetzes ist laut Krause, der hier Spinoza folgt, die Rationalität. Daher argumentiert er, dass die Verbindlichkeit und Legitimität eines Gesetzes von dessen Rationalität abhängt.
Von dieser Rationalität aus wird Krause juridische Konsequenzen ziehen. Zunächst entdeckt er die Idee der Freiheit, welche das zentrale Konzept seines juridischen Systems ist. Allerdings ist Krauses Ausgangpunkt im Gegensatz zu Locke, Hobbes oder eben Kant, nicht eine negative Konzeption der Freiheit, sondern die Anerkennung, welche man schon in Aristoteles finden kann, dass die Humanexistenz überhaupt nicht trennbar ist von sozialen Zuständen. Dies hatte zur Folge, dass Freiheit in einem individuellen Format nicht formuliert werden soll. Bei den klassischen Liberalen wie Locke, Hobbes, Kant, etc. zum Beispiel wurde das Gesetz wesentlich nur als eine Beschränkung der individuellen Freiheit gedacht. Krauses Meinung nach verhält es sich in diesem Bereich ganz anders. Für den deutschen Philosophen soll das Gesetz sich nicht darauf beschränken, nur die freie und ethische Aktivität des Individuums zu garantieren. Diese Konzeption ist nur eine negative und folglich eine inkomplette Beschreibung der Funktion des Gesetzes. Laut Krause soll das Gesetz vor allem die Bedingungen etablieren, die es einem Individuum erlauben, sich rationell vollzukommen. Mit anderen Worten gesagt, soll das Gesetzsystem eine Chancengleichheit in der Gesellschaft garantieren, so dass das Individuum sein rationelles Potential völlig entwickeln kann. In diesem Sinne ist es deutlich, dass Krause eng Aristoteles‘ Idee folgt, wonach das Individuum sich nur in der Gemeinschaft, zu der es gehört, wirklich voll verwirklichen kann und folglich nur auf diese Weise ein gutes Leben in Harmonie mit den anderen haben wird (Stoetzer: 1998, 21).5
Krauses politische Philosophie zielt nicht darauf ab, einen allumfassenden Staat zu rechtfertigen. Im Gegenteil zu dem, was andere Philosophen wie Herder, Hegel und Fichte damals vertraten, stellte sich Krause einen Staat vor, den in verschiedenen Sinnen sehr beschränkt ist (Chmielorz: 2010, 2). Nicht nur die Autonomie des Individuums, der Familien, etc. muss in Krauses juridischem System anerkennt werden, sondern auch die Autonomie von Bünden, zivilen Veranstaltungen und auch der verschiedenen Sphären von menschlichen Aktivitäten, wie zum Beispiel der Wissenschaft oder der Erziehung. Das heißt, dass in Krauses System die zivile Gesellschaft ihr eigenes Leben hat, welchem der Staat nur als Beschützer dienen soll. Krause lehnt die Idee ab, der zufolge der Staat ein absolutes Recht hat und ebenso die Notion, dass er der exklusive und gültige Ursprung des Gesetzes sei (Stoetzer: 1998, 24).
Der Staat ist eine vernünftige Einheit, der aus der verschiedenen Willen von allen gesetzlichen Personen entstanden ist. Deshalb ist der krausianische Staat statt eines wirklichen Souveräns mit einer eigenen absoluten Macht, vielmehr eine Entität, deren Legitimität völlig abhängt von der rationellen Kooperation zwischen Individuen und Veranstaltungen und die er folglich respektieren muss. Demzufolge ist für Krause das ideale politische Regime eine demokratische Republik, wo sowohl die Gleichheit von Individuen und Organisationen als Grundprinzip anerkannt wird als auch die Teilnahme an den politischen Entscheidungen der Gemeinschaft. Man muss hier betonen, dass diese Konzeption Krauses der Gleichheit und Universalismus, ihn dazu führt, die Gleichheit der Geschlechter zu verteidigen.
Aber der Staat ist nicht nur von aus diesem Grund beschränkt. Er ist es auch in seiner Verbindungen mit anderen Staaten. In der Tat gipfelt die Geschichte für Krause nicht in dem einen Staat sondern in einer republikanischen Liga von Staaten, welche die ganze Menschheit eines Tages organisieren wird. Dieser große Staat wird eine Universale Republik sein, die die Menschenrechte aller Individuen und den Frieden zwischen sozialen Organisationen und Volk garantieren wird. In diesem Punkt folgt Krause eng den Grundlinien von Kants berühmtem Text Zum ewigen Frieden (1795) und vertieft diese noch. Nach seiner kosmopolitischen Einsicht ist gleichzeitig jeder Bürger eines Staats ein Bürger eines zukünftigen weltweiten Staates. Dieser Weltstaat wird zur Grundlage ein Gesetzssystem haben, das auf dem zentralen Begriff der „Solidarität“ zwischen Individuen und Staaten basieren würde (Stoetzer: 1998, 28).6

Krause und seine Revolution in Spanien
  1. Die Verbreitung der Philosophie Krauses in Europa
Obwohl Krause in Deutschland fast ohne Anerkennung starb, erwartete ihn überraschenderweise ein ganz anderes Schicksal in der spanischsprachigen Welt (aber auch in Portugal), wo er unabsichtlich der Begründer der revolutionären, reformierenden und liberalen Bewegungen wurde, die sich mit der Flaggen des „Krausismo(s)“ identifizieren würden. Wie der Prof. Dr. Claus Dierksmeier7 behauptet, der Einfluss von Krause in Spanien und Übersee vielleicht eines spannendsten Kapitel der europäischen Kulturgeschichte ist (Nuccetelli, Susana et al.: 2013, 110). Wieso wurde ein fast unbekannter Philosoph in seiner eigenen Heimat nach seinem Tod zur Schlüsselfigur in einem fremden Land, mit einer ganz anderen Sprache und Kultur, wie Spanien, und mehr noch in einem fremden Kontinent wie Lateinamerika, zu dem er in seinem ganzen Leben fast keinen Kontakt gehabt hatte?8
Das Letzte hat sowohl geschichtliche als auch philosophische Gründe. Die Verbreitung von Krauses Philosophie jenseits der deutschen Grenzen begann irgendwie zufällig im Jahr 1831, als Heinrich Julius Ahrens, ein Schüler Krauses, wegen der damals in Göttingen stattfindenden politischen Revolten, nach Belgien verwiesen wurde. Dort lernte Ahrens den französischen Philosophen François  Guizot kennen, der ihn einlud, an der Universität von Paris (der Sorbonne) einige Vorlesungen zu halten. Ahrens akzeptierte die Einladung, was wesentlich dazu beitrug, dass Krauses Philosophie in der spanischsprachigen Welt bekannt würde, denn damals bildete sich ein großer Teil der intellektuellen und politischen Elite von Spanien und Lateinamerika in Paris sich aus. Ahrens vereinfachte nicht nur die Philosophie Krauses, sondern er präsentierte sie auch in einer Sprache (Französisch), die dem Spanischen näher stand und von dieser Elite beherrscht wurde (Chmielorz: 2010, 4). Die Prinzipien des Krausismus wurden von Ahrens durch seine Rechtstheorie im Buch Cours de Droit Naturel (1838) eingeführt. Dieser Text wurde von Ruperto Navarro Zamorano 1841 ins Spanische übersetzt, und das Buch spielte eine ganz bedeutende Rolle in der juridischen Ausbildung der liberalen intellektuellen Minderheit in Spanien, welche besonders während der liberalen Revolution 1868 eng mit der Regierung im Kontakt war.
Gleichzeitig wurde der Rechtsphilosoph Julián Sanz del Río von der Universidad Complutense de Madrid für zwei Jahre nach Heidelberg geschickt, um dort die neue Philosophie der Erziehung zu studieren und sie nach Spanien zu bringen. Sanz del Río war ein Freund Navarros und dank ihm konnte er andere Philosophen kennenlernen, die sich mit Krauses Denkens beschäftigten. So widmete sich Sanz del Río während seines Aufenthalts in Deutschland dem Studium von Krauses Philosophie. Vor allem beeindruckte ihn dessen Text Urbild des Menschen, da Sanz del Río dort genau die Art von Philosophie fand, welche seiner Meinung nach, am besten zu Spanien passen würde, einem Land, das endlich dringend eine modernisierende Reform brauchte. Ein paar Jahre später, schon wieder in Madrid, wird Sanz del Rio 1860 eine ehe freie9 Fassung des Urbildes veröffentlichen, die sehr erfolgreich unter Juristen und Philosophen sein wird. El Krausismo wurde auf diese Weise geboren aber er wird auch eine Reaktion aufwachen, vor allem von der Kirche.10
  1. El Krausismo und die republikanische Revolution 1868 in Spanien
Das Wichtigste ist zu betonen, welche bedeutende Rolle dieser Krausismo in der Revolution Spaniens 1868 spielte. Diese Revolution, die Septembrina genannt wurde, da sie im September stattfand, war eigentlich der erste Versuch, ein demokratisches Regime in Spanien einzusetzen, zuerst in Form einer parlamentarischen Monarchie und später in jener einer Republik, die für kurze Zeit Freiheit der Lehre und Wissenschaft unter anderen Reformen erlaubte. Aber die beiden Regime wurden schließlich besiegt und so folgte eine Zeit der Restauración Conservadora (der konservativen Wiederherstellung). Die damaligen krausistischen Professoren verloren ihre Lehrstühle. Allerdings bedeuteten diese politischen Niederlagen nicht den Tod des Krausismus.
Trotz der feindlichen Atmosphäre entwickelte sich diese Philosophie im Laufe der kommenden Jahre fort. Im Zuge des Verlusts der letzten Kolonien im Lateinamerika (vor allem Kuba) wird am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts tatsächlich der Reformismus wieder die Führung übernehmen.11
Gleichzeitig wurde die sogenannte Residencia de Estudiantes in Madrid gegründet, die eine Plattform wäre, durch welche der Krausismus nicht nur auf der Iberischen Halbinsel, sondern auch in Lateinamerika verbreitet wurde. Bedeutende literarische, philosophische und politische Figuren des Kontinents, wie Alfonso Reyes, José Enrique Rodó, Alejandro O. Deústua, José Martí und so weiter, besuchten entweder die Residencia oder pflegten zumindest Kontakt zu ihr, z.B. durch Korrespondenz mit Philosophen und Schriftstellern, die mit ihr zu tun hatten.
Der wichtigste Grund, weshalb der Krausismus so tief in der spanischen inteligenttsia wurzelte, haben mit der Tatsache zu tun, dass er, mit seiner Beharrung auf der „rationellen Harmonie“ eine perfekte Kombination aus Traditionalismus und Reformismus anbietet, die fast keine andere Philosophie konnte. Wie Rilo Chmielorz behauptet, repräsentierte Krausismo tatsächlich einen „Mittelweg“ zwischen dem aufgeklärten Materialismus und dem Spiritualismus der Kirche. Der Materialismus war, vor allem in seiner französischen Variante, zu extrem für ein Land, wie Spanien, wo die Aufklärung eine marginale Rolle spielte (2010, 4). Laut den krausistischen Philosophen war es notwendig, Spanien aus seiner traditionellen scholastischen Philosophie zu befreien, um eine echte Reform durchzuführen. Mit dem Krausismus hofften diese spanischen Philosophen, ihr Land endlich von der tyrannischen und übermächtigen Kirche zu emanzipieren, die grundlegenden Ideen der Aufklärung einzuführen und dadurch die kulturelle Isolation des Landes zu überwinden, aber ohne mit der Religion in „gewalttätiger“ Weise zu brechen. Besonders hilfreich war die Tatsache, dass Krauses Beziehung zum Christentum zweideutig war.12

Krausismus in Lateinamerika : der Fall des Rio de la Plata (Silberfluss)

Wie schon erwähnt wurde, überquerte der Krausismus dank seiner zahlreichen französischen und spanischen Vertreter schnell den Atlantik. Obwohl diese Philosophie überall in Lateinamerika einen großen Einfluss haben würde, von Mexico über Brasilien bis nach Cuba13, Chile und Guatemala14, war es insbesondere am Rio de la Plata (Argentinien und Uruguay), wo sie den tiefsten und dauerhaftesten Eindruck machte, vor allem durch zwei Personen, die in dem politischen Leben ihrer Länder größte Bedeutung hatten. Diese Figuren, auf die ich mich hier konzentrieren will, sind Hipólito Yrigoyen in Argentinien und José Batlle Ordóñez in Uruguay. Beide werden am Anfang des 20. Jahrhunderts zu wichtigen Präsidenten ihrer Länder.
  1. Die Einführung des Krausismus am Rio de la Plata
Die Verbreitung des Krausismus am Rio de la Plata hatte ihre eigenen geschichtlichen Besonderheiten im Vergleich zu anderen Ländern Südamerikas. Neben dem schon erwähnten Einfluss der französischen Übersetzungen von Ahrens und Guillaume Tiberghien und des spanischen Krausismus, der durch Reisen von lateinamerikanischen Intellektuellen nach Madrid bekannt wurde, trug dazu auch die starke Präsenz Frankreichs am Rio de la Plata im Laufe des 19. Jahrhunderts bei. Währen der Epoche des Vizekönigreiches wurde die Produktion von Silber und Gold aus Potosí (Bolivien) über diese Region nach Europa transportiert. Sie war daher ein strategischer Ort und ein privilegiertes Zentrum für internationalen Handel und deshalb versuchten die Kolonialreiche der Epoche, vor allem, Frankreich und Großbritannien, den Verkehr in diesem Fluss zu kontrollieren. Buenos Aires, die ehemalige Hauptstadt des Virreinato del Rio de la Plata, des heutigen Argentiniens, und Montevideo, Hauptstadt des heutigen Uruguays, waren (und sind noch) zwei Hafenstädte, auf welche sich der Kommerz im Rio de la Plata konzentrierte. Wegen der Kriege und Invasionen im Laufe des 19. Jahrhunderts, lebte in diesen zwei Städten eine beträchtliche Zahl von Briten und Franzosen.
Aber es war im Laufe der liberalen Revolutionen in Frankreich 1830, 1848 und später mit La Guerra Grande15, dass Franzosen vor allem nach Montevideo einwanderten (damals gab es in Buenos Aires die Diktatur Rosas). Zu den Einwandern zählten nicht nur Soldaten und Händler, sondern auch hervorragende homme de lettres (Literaten). Dank ihnen kamen die verschiedenen philosophischen Strömungen am Rio de la Plata an, die zu jener Zeit in Frankreich prädominierten. Unter ihnen befand sich natürlich der Krausismus. Auf diese Weise entwickelte sich diese Philosophie relativ früh in Uruguay, vor allem an der ersten Universität der neuen Republik, die genau im Jahr 1848 gegründet wurde. Nach dem Ende des Krieges emigrierte ein Teil der französischen Literaten nach Argentinien, wo eine Strukturierung der höheren Ausbildung stattfand. Auf diese Weise begannen die krausistischen Ideen in Argentinien zu zirkulieren. Jedoch spielte der Krausismus nicht wie in Spanien eine hegemonische Rolle im Rahmen der Philosophie. In beiden Ländern am Rio de la Plata musste der Krausismus tatsächlich mit den anderen Philosophien der Epoche konkurrieren: nämlich mit dem Positivismus, dem Eklektizismus und dem Spiritualismus. In diesem Kontext präsentierte sich der Krausismus als eine Forme von „rationalistischem Spiritualismus“ und dadurch als eine sehr attraktive Alternative gegenüber dem antidemokratischen Charakter des Positivismus und der konservativen Orientierung des Liberalismus, zwei Tendenzen, die in Argentinien schon stark waren und die eng mit der Oligarchie von Buenos Aires verbunden waren. Gegen 1870 war die Philosophie Krauses in Argentinien weit verbreitet.
  1. Krausismus in Argentinien :
Die Präsidentschaft Hipólito Yrigoyen und die Zeit der Reparación

Mit der 1890 gegründeten Partido Radical trat der Krausismus aus dem akademischen Bereich in den des politischen Handelns ein. Sein Begründer Leandro N. Alem, war ein kantianischer Freimaurer, welcher die Konservativen zu besiegen suchte, die Argentinien lange regiert hatten. In der Tat glaubte diese politische Bewegung, dass die argentinische „Oligarchie“, die sich hauptsächlich mit dem Hafen von Buenos Aires und dem Rohstoffexport assoziierte, den materiellen Fortschritt mit dem geschichtlichen Fortschritt verwechselt hatte. Mit ihrer exzessiv positivistischen, individualistischen und utilitaristischen Betonung auf dem „materiellen Erfolg“ und ihrem Wunsch, in allen Bereichen Europa zu imitieren, hatte sich die Elite Buenos Aires' vollständig von ihrem Volk und von der nationalen Kultur entfernt. Alles wirklich Nationale (wie die Gaucho-Kultur zum Beispiel) wurde als „Barbarei“ betrachtet. Während diese Oligarchie viel von dem internationalen Handel profitiert hatte, hatte die restliche kaum politische und wirtschaftliche Rechte erlangt. Das Gegenteil war geschehen. Im Dienste der Interessen der europäischen Länder hatte die Aristokratie Buenos Aires‘ eine echte nationale Entwicklung, insbesondere einen Industrialisierungsprozess, verhindert.
Solche waren, zusammenfassend, die wichtigsten Vorwürfe der radicales und des Großteils der Bürger (vor allem der Mittelschicht), die sie repräsentierten. Auf diese Weise wurde die Partido Radical die erste echte sozialdemokratische Partei Argentiniens, deren Ideologie eine ganz besondere Mischung aus Liberalismus, Nationalismus, Föderalismus (gegen dem Zentralismus Buenos Aires) und Egalitarismus war. Daher beharrten sie vor allem auf der sozialen und ethischen Dimension des Krausismus. Die Idee der „sozialen Justiz“ wurde eigentlich das grundlegende Konzept, das die ganze Partei ideologisch strukturierte.
Wie schon erwähnt, war Hipólito Yrigoyen einer der wichtigsten Politiker dieser Partei. Er wurde zweimal Präsident und hinterließ einen langlebigen Eindruck in der Geschichte Argentiniens. Mit Yrigoyen verließ der Krausismus den akademischen Bereich und begann konkrete Auswirkungen in der politischen Sphäre zu haben.
Wie schon erwähnt, war Hipólito Yrigoyen einer der wichtigsten Politiker dieser Partei. Er wurde zweimal Präsident und hinterließ einen langlebigen Eindruck in der Geschichte Argentiniens. Mit Yrigoyen verließ der Krausismus den akademischen Bereich und begann konkrete Auswirkungen in der politischen Sphäre zu haben. begann Yrigoyen an der juristischen Fakultät der Buenos Aires Universität zu studieren, als Julián Barraquero ein Verfassungsexperte und Krausister dort lehrte. Bei ihm kam Yrigoyen zum ersten Mal in Kontakt mit dem Krausismo. Ein paar Jahre später wird Yrigoyen selbst Professor für Philosophie und Volkswirtschaft an der Escuela Normal de Profesores in Buenos Aires und behielt diesen Lehrstuhl 25 Jahre lang. Auf der Suche nach Büchern für seinen Lehrstuhl reiste Yrigoyen nach Spanien, wo er sowohl die Institución Libre de Enseñanza, den krausistische „Think Thank“ Madrids entdeckte als auch die Werke Tiberghiens, eines französischen Übersetzers und Kommentators von Kraus, der damals ganz in Mode in Spanien war. Er bewunderte ihn tief, vor allem hinsichtlich seines ethischen Konzeptes des Menschen. Die Bedeutung der organischen „Harmonie“ zwischen den verschiedenen Teilen der Gesellschaft, der Demokratischen Partizipation aller sozialen Vereinigungen und der Notwendigkeit der „Solidarität“ zwischen diesen überzeugte Yrigoyen, dass Krauses Philosophie genau das war, was das Argentinien seiner Zeit brauchte.
Yrigoyen war fähig, die angesammelte Unzufriedenheit des Volkes zu kanalisieren. Auf diese Weise kam er zuerst 1916 an die Macht und wieder 1922, in einem wegen des Ersten Weltkrieges grundsätzlich schwierigen wirtschaftlichen Kontext. Während dieser Jahre setzte er ein krausistisches Programm ein, das die lange konservative Hegemonie überwand. Unter den wichtigsten Reformen zeichnen sich aus die Einsetzung des allgemeinen Wahlrechts, die Verteidigung der Landbevölkerung, die Schaffung des Ruhestandes, Pensionen, das Einsetzen eines Mindestlohns, die Nationalisierung der Ölreserven und die Favorisierung einer nationalen Industrie durch Zollbestimmungen.
Was die Außenpolitik angeht, verteidigte Yrigoyen das Prinzip der Nichteinmischung, besonders gegen die zunehmende Welle von Interventionismus der USA in Zentralamerika und in gleicher Weise das Prinzip der Gleichheit aller Völker, zwei Begriffe, die aus dem Idealismus Krauses stammen. Dieselbe Philosophie führte Yrigoyen dazu, die Schöpfung eines Völkerbundes vorzuschlagen, der sich mit den universalen Problemen der Menschheit beschäftigen sollte.
Es ist wichtig in diesem Punkt zu betonen, dass Yrigoyen mit seinen Reformen nicht den Liberalismus und seine Idee der freien Individuen ablehnen wollte, vielmehr versuchte er, ihm einen wirklichen demokratischen Inhalt zu geben. Philosophisch gesprochen, zielte Yrigoyen darauf ab, den Grundstein für eine egalitäre Gesellschaft zu legen, in welcher jeder Mensch die Gelegenheit hätte, seine Fähigkeiten zu entwickeln, in Übereinstimmung mit dem krausistischen Begriff der sozialen „Harmonie“. In diesem Sinne könnte man sagen, dass der Triumph Yrigoyens zu einem großen Teil den Übergang von einem „konservativen Liberalismus“ zu einem, sozusagen, „sozialen Liberalismus“ markierte. In der Geschichte Argentiniens wird diese Periode als La Reparación (die Entschädigung) bezeichnet. Allerdings wurde sie gefolgt von einer konservativen Restauración, die 1930 mit einem militärischen Putsch die Präsidentschaft Yrigoyens beendete.
  1. Krausismo im Uruguay :
El reformismo batllista und die „Schweiz Südamerikas“

Auf der anderen Seite des Rio de la Plata fand in Uruguay ein ähnlicher Prozess statt, allerdings mit seinen eigenen Besonderheiten. Hier versuchte el Partido Colorado (auf Deutsch übersetzt die Rote Partei), die starke freimaurerischen Wurzeln hat, die krausistischen Ideale in der uruguayischen Gesellschaft und Politik einzuführen, mit José Batlle y Ordóñez, welcher als der größte Reformator Uruguays des 20. Jahrhunderts betrachtet wird. Battle lernte den Krausismus hauptsächlich durch Vázquez y Vega kennen, einem Universitätsprofessor, der eine idealistische Gruppe bildete, an der Batlle als enger Freund von Vázquez y Vega teilnahm. Die Hauptfeinde dieses Idealismus waren zwei. Einerseits der Positivismus, welchen Vázquez y Vega als relativistisch im moralischen Sinne kritisiert, da er die Bedeutung der Metaphysik verweigere und auf diese Weise die Grundlage eines autoritären Programms in Uruguay am Ende des 19. Jahrhunderts gelegt habe, mit Diktaturen, wie die Lorenzo Latorres und Máximo Santos', welche den modernen uruguayischen Staat durch Autoritarismus aufgebaut hätten. Im Gegensatz zu den meisten lateinamerikanischen Ländern, war Comtes Positivismus im Uruguay nicht stark. Die Philosophie, welche die positivistische Strömung vertrat, war besonders seine englische Variante, nämlich die Spencers und auch des Darwinismus.
Andererseits kritisierte Vázquez y Vega die katholische Kirche, welche ihm zufolge die Gewissensfreiheit und die Souveränität des Volkes verhindern hätte. Battle nahm in seiner Jugendzeit diese philosophische Linie an. Auf diese Weise schrieb er zum Beispiel im Journal Die Vernunft, in der Zeitschrift Der neue Geist und auch in der Philosophie-Abteilung des Athenäums Montevideo, deren Präsident er später war. Durch solchen Medien, in denen Batlle Artikel und auch Poesie schrieb, polemisierte er gegen „die materialistische Lehre“ (nämlich den Positivismus) und die Kirche und verteidigte im Gegensatz dazu eine spiritualistische, deistische und rationalistische Weltanschauung, welche er unverkennbar von Ahrens Auffassung des Krausismus entlehnt hatte. In der Tat antwortete Batlle einmal, gefragt, welches Buch ihn politisch am meisten inspiriert habe, dass es die Werke Ahrens, genauer der Cours de Droit Naturel gewesen sei. Dieses Buch, sagte er, „hat mir als Handbuch meines politischen Lebens gedient.“
1879 fuhr er nach Europa, um weiter zu studieren. Vor allem in Paris besuchte er Vorlesungen über Philosophie. Obwohl damals Paris das Weltzentrum des Positivismus war, sagte Batlle hierzu, dass diese Hegemonie seine „spiritualistischen“ Überzeugungen überhaupt nicht geändert habe. Nicht nur aus philosophischen sondern auch und hauptsächlich aus politischen Gründen lehnte Batlle die Lehre des Positivismus ab.
Was den sozialen und politischen Bereich anging, ärgerte sich Batlle tatsächlich über die offensichtlich antiliberale und antidemokratische Stellung des Positivismus, insbesondere über dessen Konzept, dem zufolge es in der Gesellschaft eine eiserne Hierarchie von sozialen Klassen (mit den Bankier als Kopf) geben müsse. Wie schon bekannt, wurde zusammenfassend der Positivismus als eine Reaktion auf die Französische Revolution geboren. Mit diesem „Trauma“ als Hintergrund glaubten seine zahlreichen Anhänger des 19. Jahrhunderts, dass die revolutionäre Idealen von Freiheit und Gleichheit die Gesellschaft zur Anarchie führen würden, genau wie es während Robespierres Terrorherrschaft passiert war. Deshalb sei die Anarchie der Hauptfeind des „Fortschritts“ und die Ordnung sein bester Freund. Für die positivistische Philosophie ist der Fortschritt, darunter verstanden grundsätzlich die industrielle Entwicklung, das echte Ziel der Gesellschaft und deswegen wird es wichtiger für sie, die Ordnung zu erhalten als die Freiheit zu verbreiten. Das Ideal der Gleichheit und Freiheit sei nur eine Illusion, die eigentlich den „Fortschritt“ der Gesellschaft verhindere. Deshalben seien alle die sozialen Gesetze, die zum Zweck hätten, Gleichheit zu fordern, den Positivisten zufolge, vor allem in der „spencerianischen“ Version, ein großer Fehler, welcher die natürliche soziologische Entwicklung der Gesellschaft tatsächlich verzögen würde.
Die Regierung, behauptet der Positivismus, müsse sich daher nur dafür sorgen, die Ordnung aufrechterzuhalten -eine Idee, die Batlle, basierend auf dem rationalistischen Egalitarismus von Krauses Philosophie ablehnte. In der Tat zog Krause aus der Französischen Revolution genau die entgegengesetzte Schlussfolgerung wie Comte und andere Positivisten. Für ihn war nämlich die Kluft zwischen den oberen und den unteren Klassen, die generalisierte Ungleichheit, die echte Ursache der Französischen Revolution. Um einen solchen Umbruch zu vermeiden, müsse der Staat die „Harmonie“ der Gesellschaft garantieren. Diese Theorie Krauses nahm Batlle in einer Zeit auf, als Uruguay sich schnell zu industrialisieren begann und als der Marxismus auch stärker zu werden begann.
Die Werke Ahrens erkannten nicht nur, sondern verurteilten auch die Widersprüche der modernen kapitalistischen Gesellschaft. Aber für ihn, wie auch für Krause, war der Kommunismus ebenso problematisch wie der Individualismus. Ein neuer und echter Organizismus war laut Ahrens die richtige Lösung für die neuen Probleme der industrialisierten Gesellschaft, denn er würde die Rechte der beiden Seiten in Harmonie versöhnen. Das Gesetz muss die Gerechtigkeit der sozialen Beziehungen zwischen den verschiedenen freien Organismen der Gesellschaft sichern, vor allem derjenigen, die schwächer sind. Die Vereinbarung ist immer besser als der Kampf zwischen den sozialen Gruppen. Diese ist genau die Philosophie, die Batlle zu implementieren suchte mit der Konzeption, dass der Staat, der „Verteidiger der Schwachen“ sein soll.
Wie Yrigoyen, war Batlle zweimal Präsident der Republik. Und mit ihm begann eine Serie von Reformen, die das Gesicht des Landes tief verändern würden. Batlle hatte die Überzeugung, dass Uruguay wegen seiner geringen Größe das ideale Land sei, um avantgardistische Gesetze auszuprobieren. Darüber hinaus argumentierte Batlle, da Uruguay ein ganz neues Land war, habe es nicht die Probleme der europäischen Länder, i.e. die Tradition und die kulturellen Strukturen seien beträchtlich schwächer als in Europa und dadurch sei es einfacher, politische und soziale Veränderungen einzuführen. Uruguay sollte das Modell für den Rest der Welt werden. Mit dieser Mentalität vollzog er die größten Reformen in der Geschichte des Landes. Die wichtigsten unter ihnen waren: die Genehmigung des Achtstundentags, einen obligatorischen wöchentlichen Ruhetag und einen Monat bezahlten Mutterschaftsurlaub im Jahr 1911. Im selben Jahr wurde die Bank verstaatlicht sowie das Stromkraftwerk in Montevideo. 1919 wurde das Gesetz zu den Alterspensionen sowie zur Invalidenrente beschlossen. Außerdem schuf Battle zahlreiche Gymnasien und wissenschaftliche Institute. Manche Autoren argumentieren, dass unter Batlles Präsidentschaft, Uruguay der erste „Wohlfahrtsstaat“ der Welt geworden ist.
Krauses Verteidigung der Gleichheit zwischen Frauen und Männern bewegte Battle dazu, 1913 das erste Mädchen-Gymnasium zu schaffen. Im gleichen Sinne legalisierte Batlle 1907 nicht nur die Ehescheidung, sondern erlaubte auch die Ehescheidung aufgrund des alleinigen Wunsches der Frau, ein Gesetz, das ganz revolutionär war.
Ein ganz anderes Kapitel war die Säkularisierung des uruguayischen Staats, der ebenfalls von Krauses Philosophie inspiriert wurde. An diesem Punkt unterscheiden sich der Krausismus Argentiniens und Uruguays voneinander. Während Batlles Präsidentschaft wurden tatsächlich die religiösen Feiertage durch weltliche Feste ersetzt16, die religiöse Ausbildung in der Schulen wurde abgeschafft und 1917 wurde der Staat schließlich von der Kirche völlig getrennt. Die Gründe für die damals sehr polemische Säkularisierung war, Batlle erklärte, die persönlichen Freiheiten und den Fortschritt der Wissenschaft völlig zu garantieren.
Schließlich wurde wie die argentinische auch die uruguayische Außenpolitik von Krauses Idealismus beeinflusst. Ein konkretes Beispiel hierzu war Uruguays Verteidigung eines „Obligatorischen Schiedsspruchs oder Gerichtes“ wie sie schließlich in Den Haag verwirklicht wurde. Die Idee war, wie in Krauses Philosophie, eine Liga von Nationen schaffen, die sich bemühen, ihre Probleme durch solche Schiedssprüche zu lösen. Obwohl der Vorschlag nicht erfolgreich war, Uruguay würde dieser Prinzip in seiner Vertrage mit andern  Ländern sowohl europäischen als auch lateinamerikanischen. Die Reformen des Batllismo fielen in eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperität und wegen ihnen wurde Uruguay bis in die sechziger Jahre die „Schweiz Südamerikas“ genannt.

Konklusion

           Wir wie gesehen haben, in der Geschichte der Krausismus vermischet sich eng die Geschichte der Philosophie mit derjenigen Europas (Deutschland und Spanien) und Lateinamerikas. Um der Erfolg diese Philosophie wirklich zu verstehen, muss man zuerst verstehen, der politische und soziale Kontext, der diese Philosophie ermöglichte und mehr noch wofür eigentlich diese Philosophie eine Antwort war. Wie schon erwähnt, ist die Idee der „Harmonie“ in Krauses Philosophie im Großen und Ganzen aus dem Trauma der Französischen Revolution geboren. Krauses lehnte die Auswüsche dieser Revolution ab aber sein Vorschlag war keine Ablehnung der politischen Modernisierung. In der Tat forderte er die aufgeklärte Idealen von Demokratie und Republik, indem er gleichzeitig die negative Aspekten der Aufklärung kritisierte und die, laut ihm, in Robespierre sich manifestiert hatten. Wie das Deutschland seiner Zeit, teilte Spanien die Herausforderung einer modernisierenden Reform einzuführen, ohne aber die ganzen „alte Ordnung“ zu zerstören: in diesem Rahmen hätte Krauses Philosophie nicht passender sein können, in dem Maße, dass sie, allgemeinem gesprochen, gedacht wurde, um eine ähnliche Herausforderung zu lösen, das heißt, die Modernisierung von Deutschland.17
Seinerseits waren die lateinamerikanischen Länder „moderner“ als Spanien selbst, zu mindestens politisch betrachtet. Die Nationalhelden, von Simon Bolivar bis Artigas, bis nach San Martin und , wurden von den aufgeklärten Ideen der französischen Revolution tief inspiriert, deren Prinzipien sich in der Verfassung von den lateinamerikanischen Ländern dargestellt sein werden. Allerdings das kulturelle und wirtschaftliche Modell von Reformierung, das im Laufe des 19. Jahrhunderts implementiert sein wird, war zutiefst autoritär. Die Diktatur war das Gesicht, welches der Positivismus Comtes in Lateinamerika zeigte, Sohn der Aufklärung in einem Sinne aber auch der anti-demokratischen und anti-liberalen Bewegungen, welche die Wiederherstellung folgten. Da die Anarchie, die mit der Französischen Revolution entstand, um jeden Preis vermeidet sein sollte, war es am wichtigsten für den Positivismus die soziale Ordnung zu garantieren, um Fortschritt zu ermöglichen und mit einer solchen Perspektive wurden Freiheit und Gleichheit auf dem zweiten Platz degradiert. Porfirio Diaz in Mexico, Faustino Sarmiento in Argentinien und Lorenzo Latorre in Uruguay repräsentierten diese Bewegung von einer autoritären und europäisierenden Modernisierung, die eine demokratische Reaktion verursachte. In diesem Fall bietet der Krausismus eine attraktive Alternative zu dem konservativen Liberalismus und dem autoritären Positivismus an. Trotz ihrer Unterschiede waren Yrigoyen und Batlle genau nicht anders als das : ein demokratisches Programm, das suchte, soziale Gleichheit zu verbreiten.

1.- In seinem Karl Christian Friedrich Krause and his Influence in the Hispanic World (1998), der einer des wichtigsten Textes über den Einfluss von Krauses in der spanischsprachigen Welt, der Autor, Stoetzer, O. Carlos, fasst den offensichtlichen Eklektizismus Krauses so zussamen : “Krause’s opinion that every great philosophical system of his predecessors contained elements of eternal truths – thus seemingly, in an eternal and superficial manner coinciding with Victor Cousin’s Eclecticism – resulted in his system including the most diverse elements: Plato’s idealism, Kantian criticism, Leibnizian optimistic Enlightenment and mystic sentimentalism, Schelling’s philosophy of identity and Spinoza’s doctrine of substance. However, all of these currents of thought were not linked in an arbitrary eclecticism but were bonded and melted together in a very specific Whole of quite original dimensions.” (Stoetzer: 1998, 16).
2.- In Bezug darauf muss man hinzufügen, dass diese „Diagnose“, die behauptet, dass die aufgeklärte Vernunft „destruktiv“ sei, eigentlich ein typischer Gemeinplatz der Epoche war, besonders in Deutschland, welches die politischen Auswüchse der Französischen Revolution aus der Nähe erlebte. Man muss daran erinnern, dass es möglich ist, eine sehr ähnliche Interpretation in Hegels drittem Kapitel der Phänomenologie des Geistes (1807) (das den Titel Die absolute Freiheit und der Schrecken trägt) zu finden und das es sich offensichtlich auf den „Terreur Robespierres“ bezieht. Laut der hegelianischen These hatte die aufgeklärte Vernunft, mit ihrer starken Beharrung auf Individualismus und Kontraktualismus endlich zur Auflösung der Gesellschaft geführt.
3.- Diese entwickeln sich dialektisch und entsprechen derjenigen eines Individuums: zuerst, die „Kindheit“ (in welcher der Mensch noch primitiv ist, wo es keine echte Differenzierung in den Sphären der menschlichen Handlungen gibt), zweitens, die „Jugendzeit“ (wo der Mensch in der Lage ist, seine physische Umwelt zu kontrollieren) und endlich die Etappe der „Harmonie“ (wo der Mensch endlich das Bild Gottes in seinem innerlichen Bewusstsein bemerken wird).
4.- Deshalb lehnt Krause Hegels System ab, insofern es sich nur mit einer Seite (der objektiven) des Problems beschäftigt. Andererseits ist ein System, wie das Kants, in dem das Individuum eine vorherrschende Rolle spielt und das zu einem geschlossenen Subjektivismus führt, ebenso unethisch und destruktiv.
5.- Der Fortschritt besteht dann in zwei Dimensionen. Aus der Sicht der Gemeinschaft lässt sich der Fortschritt dann erreichen, wenn „der Mensch nicht als ein vereinzeltes Individuum handelt sondern als ein der Gemeinschaft bewusstes“. Und abgesehen von der Einsicht des Individuums, bedeutet der Fortschritt einfach die Möglichkeit zu haben, die potentiellen Fähigkeiten völlig zu entwickeln, durch eine ganzheitliche Erziehung und grundlegende materielle Güter, die von der Gemeinschaft bereitgestellt werden müssen.
6.- Krause glaubte, dass die Welt langsam in die Richtung ging, einen Weltstaat zu schaffen. Mehr noch, er behauptete, dass es Verpflichtung jedes Individuums der Welt sei, für die Verwirklichung dieses Ideals zu arbeiten. Hieran sollten die Individuen auch deshalb interessiert sein, weil mit der Verwirklichung der Rechte der anderen ihre eigenen Rechte ebenfalls realisiert würden.
7.- Der Prof. Dr. Claus Dierksmeier wird im Januar 2012 zum Direktor des Weltethos Instituts an der Universität Tübingen bestellt. Er war auch Gastprofessor und Research Fellow in Spanien, Uruguay und Argentinien.
8.- Es ist gut zu betonen, dass das Interesse an dem Einfluss von Krause in der spanischsprachigen Welt ein starkes „Revival“ in den letzten Jahren hatte. Prof. Dierksmeier erklärt diesen Prozess so: „Driven by the democratic rejuvenation of Spain, Argentina and Uruguay in the 1980s interest in Krausist liberalism rekindled. German and Latin American academics joined Spanish researchers in the 1990s, resulting in a small but vibrant global community of Krause scholars. German and Latin American academics joined Spanish researchers in the 1990s resulting in a small but vibrant global community of Krause scholars – spearheaded by the Instituto de Investigación sobre Liberalismo, Krausismo y Masonería at Universidad Pontificia Comillas in Madrid.“ (Nuccetelli, Susana et al: 2013, 110).
9.- Wie Pierre Bidart in seinem L’influence du Philosophe allemand F. Krause dans la formation des sciences sociales en Espagne (2004) betont, « […] Sanz del Rio ne se contente pas de traduire ces livres, il introduit et commente le premier et expose le second ouvrage. La critique contemporaine a mis en évidence certaines libertés prises par Sanz del Rio dans la traduction des ouvrages afin, comme il le dit lui-même, de les « ajuster » à l'opinion publique de son pays. Ces ajustements visaient, d'une part, à faciliter la compréhension d'un langage facilement obscur, d'autre part, à atténuer les possibilités de critique à l'égard des théories philosophiques de Krause, suspectées de véhiculer l'athéisme derrière le concept de « panthéisme ». (Bidart, 2004 : 136).
10.- Bidart erklärt das so : « Le succès du krausisme inquiète surtout l'Église à laquelle un concordat récent (1851) avait donné un droit de regard sur l'enseignement. Des universitaires, tel J u a n Manuel Orti y Lara, professeur de philosophie à l'Université centrale, participent à la coalition anti-krausiste. A côté de l'Eglise, un mouvement politique catholique extrémiste, qualifié par les krausistes de « néo-catholique », entreprend de susciter la suspicion des autorités publiques à l'égard les cercles krausistes. En 1860, ce mouvement, lance la revue El Pensamiento español qui, pendant quatorze ans sera le fer de lance de la critique de la pensée krausiste. » (Bidart, 2004 : 138).
11.- Auf diese Weise fand zum Bespiel eine Reform der Bildung statt, die von der Regierung gefordert wurde war, um in Spanien wissenschaftliche Forschung zu fördern und so den kulturellen Abstand zu den anderen europäischen Ländern zu reduzieren. Und natürlich nahmen die wichtigsten Krausisten der Epoche an dieser Reform teil.
12.- In Bezug darauf schreibt Carlos O. Stoetzer das Folgende : “[Krause] affirmed that Christianity was truly original because it covered the entire mankind, and it acknowledged humanity in friend and foe its spirituality was in love in God and man. […] However, the concepts of heaven and hell, reward and punishment, salvation and damnation, atonement for sins and forgiveness of sins, were in his view, a pollution of Christian ethics. […] Christianity was an incomplete germ and source of the life of humanity united in God; and it was not so much a matter where and through whom one was taught and experienced Truth, but whether and on account of what reasons this helped to form.” (Stoetzer : 1998, 8).
13.- Über den Einfluss Krauses Philosophie in Kuba gibt es ein Buch, das der Titel Karl Krause and the Ideological Origins of the Cuban Revolution trägt und das vom britischen Schriftsteller Richard Gott geschrieben wurde.
14.- In Guatemala war der Präsident Juan José Arévalo (1945 - 1951) der wichtigste Vertreter des Krausismus in diesem Land.
15.- Der Guerra Grande war ein Konflikt, an dem zwischen 1839 und 1851 Frankreich, Großbritannien, Uruguay, Argentinien und Brasilien teilnahmen aber auch die uruguayischen Parteien (Partido Blanco und Colorado und die Federalistas und Unitarios).
16.- Zum Beispiel ist die „Heilige Osterwoche“ in Uruguay die Woche der Gauchos oder Woche des Tourismus.
17.- Ich beziehe mich auf die Modernisierung Deutschlands.

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